Warum Hundepflege

Glanz im Fell kommt nicht von ungefähr wir haben zehn Pflege-Vorurteile gegen den Strich gebürstet.

Kurz- oder langhaarig, glatt, gelockt oder strubbelig, kein anderse Tier hat derart viele Erscheinungsformen wie der Hund. Woran liegt das? An den Genen, genauer gesagt an drei: RSPO2, FGF5 und KRT71. Sie sind im Genstrang jedes Hundes vorhanden, und ihre Kombination entscheidet darüber, wie das Fell aussieht, das ihn schützt. Das Problem: Seitdem der Hund nicht mehr durchs Unterholz kriecht und sein Fell dort abstreift oder Fellpflege im Rudel betreibt, müssen wir Menschen helfen.

Hundesalons sind nur etwas für Schosshündchen

Irrtum! Zwar stehen bei vereinzelten Salons noch liebevoll verhätschelte Schosshündchen auf der Kundenliste, aber bei den meisten Groomern gilt: Bei der Fellpflege geht es nicht nur um schönes Aussehen, sondern vor allem um eine funktionierende Temperaturregelung und die Gesundheit der Haut. Wer einen Hund hat, sollte dessen Fell pflegen.

Wieso Pflege? Das Fell fällt von alleine aus!

Irrtum! Anders als Menschenhaare sterben die Deckhaare des Hundes im Fellwechsel nämlich an der Wurzel ab, fallen aber nicht einfach aus. Das heisst, sie versperren den neuen Haaren den Weg. Wenn Ihr Hund also nicht ständig durchs Unterholz kriecht, müssen Sie wohl oder übel bürsten oder trimmen.
Übrigens wenn sich die Fellfarbe Ihres Lieblings verändert, kann das unter anderem an zu viel altem Pelz liegen. Die Farbpigmente des Felles sitzen nämlich in der Haarspitze und verblassen beim toten Haar. Wenn die neuen Haare nicht durchkommen, wirkt das Fell blass.

Fellwechsel findet nur zweimal im Jahr statt

Jein! Würden die Hunde heute noch im Rudel durch die Wälder streifen und draussen schlafen, gäbe es im Jahr tatsächlich nur zwei Haarwechsel. Einen im Frühjahr, den anderen im Herbst. Der Haarwechsel aber wird vor allem durch die Menge des Lichts und die Temperatur gesteuert. Weil Hunde heute meist im auch noch abends lichtdurchfluteten und selbst im kältesten Winter im wohlig, warm geheizten Haus leben, befinden sich viele im einem ganzjährigen Fellwechsel.
Übrigens: Es gibt verschiedene Beschaffenheiten des Hundefells. Bei vielen Terrierrassen, Schnauzern oder Rauhaardackeln beispielsweise schiebt das Haar das ganze Jahr über nach ein sogenannter „Roalingcoat“.

Die Fellpflege-Fummelei nervt den Hund doch nur

Irrtum! Wenn der Hund Sie mag, lässt er sich sogar gern von Ihnen befummeln. Wer Hunde im Rudel beobachtet, erkennt, dass sie einen grossen Teil des Tages damit verbringen, sich gegenseitig das Fell zu lecken. Das festigt soziale Bindungen und streift passent auch das alte Haar ab. Nichts anderes passiert, wenn Sie ihm liebevoll über den Rücken bürsten.

Mit der Schermaschine geht Pflege leichter

Autsch grober Fehler! Zwar können alle Hunde auch geschoren werden, aber das ist eine Methode für Grobiane. Die Fellanatomie erklärt, warum: Hundefell besteht aus zwei schichten, dem Deckhaar und der Unterwolle. Letztere wärmt, das Deckhaar schützt vor Regen, Wind, Sonne, Dornen, Hitze und Kälte. Perfekt wäre es die alte Unterwolle herauszubekommen, ohne die schützende Deckschicht zu beschädigen. Eine Schermaschine kann das nicht. Sie schneidet gerade durch beide Schichten und zerstört somit den natürlichen Haarwuchs. Abgestorbene Unterwolle bleibt in der Haut stecken und signalisiert den Haarwurzeln, den Haarwechsel einzustellen. Ergebnis: Der Hund verwollt und produziert oft nur noch wuchernde Unterwolle, die das Deckhaar verdrängt.

Bei jedem Hund besteht Fell aus zwei Schichten

Es gibt Ausnahmen! Der einzige Hund, den man scheren darf, ist der Pudel sowie ähnliche Rassen. Sein Fell besteht aus nur einer Schicht, fällt nicht aus und wächst immerfort. Achtung: Dass die Hunde nicht haaren, freut zwar Allergiker und Hausfrauen, wer glaubt, Pudelfell sei pflegeleicht, irrt. Was nicht herausfällt, verfilzt nämlich- und das sieht nur ungepflegt aus, verfilzte Fellknoten, besonders unter den Pfoten, Achseln und Bauch, tun dem Hund auch weh.

Trimmen, Carden… Bürsten alleine Reicht doch

Ja, aber… Sogenannte Trimm-Rassen wie West-Highland- und Parson-Russel-Terrier, Schnauzer oder Dackel haben von Natur aus ein raues Fell, bei dem man die abgestorbenen Haare am besten herauszupft (Trimmen), weil sie mit der Bürste nie vollständig entfernt werden können. Andere Rassen haben so dichtes Fell, etwa Golden Retriever, Schäferhund, Hovawart, dass man die Unterwolle herausholen muss. Ohne das Deckhaar zu beschädigen. Daher gilt: Bürsten ist gut, reicht aber nicht immer.

Kurzhaarige Hunde sind Pflegeleichter

Ja, stimmt! Dafür brauchen Sie bei diesen Hunden einen guten Staubsauger, denn obwohl viele Kurzhaarrassen keine Unterwolle haben, erneuert sich das Fell ständig. Wird das Tier nicht täglich gebürstet, landen die toten Haare auf Sofa, Teppich oder unserer Kleidung und bohren sich wie kleine Spiesse in die Fransen.

Hunde dürfen nicht gebadet werden

Quatsch! Richtig ist: Hunde sollten auf keinen Fall mit Kernseife, Haarshampoo, Geschirrspülmittel oder ähnlichen Tensiden traktiert werden. Der Grund: Hunde besitzen keinen Säureschutzmantel, ihre Haut ist dünner als die des Menschen und hat einen neutralen ph-Wert. Dreckschleudern und Stinktiere sollten daher mit einem ph-neutralen Shampoo (mit ph-Wert 7) gewaschen werden. Wichtig: Das Fell Ihres Hundes verfügt über eine natürliche Imprägnierung. Diese dünne Talgschicht auf Haut und Haarschäften wird vom Shampoo abgewaschen, und zwar so gründlich, wie es in der Natur niemals passieren würde. Die Hundehaut signalisiert daraufhin den Talgdrüsen vermehrt Fett zu produzieren. Passiert das häufiger, gerät das ganze System durcheinander. Der Hund bekommt keine natürliches, imprägniertes, sondern nur noch ein fettiges Fell. Die Rückfettung der Hundehaut ist dennoch wichtig, ein Hunde-Conditioner hilft.

Im Sommer kann das Fell Ratzekahl ab

Jein! Die Regelung der Körpertemperatur ist für viele Hunde ein grosses Problem. Schweissdrüsen haben Hunde nur an den Pfoten, das Hecheln im Sommer dient vor allem der Kühlung des Gehirns. Wird es dem Hund zu heiss, bekommt er Kopfschmerzen. Hunde mit weniger Fell können auf natürliche Art Wärme über die Haut abgeben, bei Tieren mit dickem Fell staut sich die Körperwärme. Wirklich zu schaffen macht den Hunden nicht das lange Deckhaar. Was sie wärmt, ist ihre dichte und wehr warme Unterwolle. Wer im Sommer kurzerhand zur Schermaschine greift, bekommt die Unterwolle nicht raus. Hier hilft nur bürsten, bürsten, bürsten – oder Sie überlassen die langwierige Arbeit doch besser einem erfahrenen Hundefriseur.

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